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Die Alternativen

Es ist schon ein bisschen paradox. Während ich diesen Tagebucheintrag korrigiere und optimiere, achte ich auf die Schlagworte und die Meta-Description in der Präambel des Textes, damit Google diesen einlesen und auflisten kann. Und natürlich sind auch Optimierungen für OpenGraph enthalten - mit OpenGraph arbeiten die Applikationen des Meta-Konzerns. Paradox ist, dass dieser Artikel davon handeln soll, welche Alternativen es dazu gibt und dass ich annehme, dass gerade über diese Alternativen mittel- und langfristig die Abhängigkeit von den Tech-Giganten reduziert wird. Denn wir sollten uns nichts vormachen - wenn die USA es wollen und die verbündeten Tech-Konzerne mitmachen, dann können sie jederzeit den "Kill-Switch" umlegen. Windows Betriebssysteme, kritische Office-Anwendungen, SocialMedia - all das könnte abgeschaltet werden. Ebenso könnte China, deren Marktdominanz in 5G Technologie allgegenwärtig ist, die mobilen Netze abstellen, wenn sie es wollten. Eine extrem gefährliche Abhängigkeit.
Nachfolgend habe ich einige der neuartigen Applikationen getestet und die Vor- und Nachteile aufgeführt. Es gäbe da noch viel mehr, aber das ist eine kleine Bestandsaufnahme im Selbstversuch in den zarten Anfängen einer Unabhängigkeit. Stand: Oktober 2026.
wsocial.eu
Im Moment eine Katastrophe. Für dieses soziale Netzwerk, dessen Oberfläche wie die von Mastodon aussieht und damit ein Microblogging System im Sinne von "Twitter" bzw. "X" darstellt, wird von der EU gefördert und soll langfristig ein europäisches "X" werden. Man kann sich derzeit nicht direkt anmelden, sondern muss sich für eine Art Warteliste für die aktuelle, anscheinend sehr frühe, Testphase anmelden.
Das habe ich getan und habe gestern zwei Stunden damit verbracht, mich anzumelden, nach dem ich zu wsocial eingeladen wurde. Das ist nicht sehr intuitiv und hat technisch nicht funktioniert. Dieses soziale Netzwerk basiert auf einer verifizierten Identität, d.h. wenn man seinen Account angelegt hat, kann man die Timeline sehen und zum Beispiel nach Inhalten suchen - möchte man aber selbst Inhalte hinzufügen, dann muss vorher die Identität verifiziert werden. Das kann über mehrere Wege erfolgen. Der naheliegendste wäre, die NFC Funktion des Personalausweises zu nutzen.
wsocial nutzt aber nicht die Personalausweis APP, sondern hat eine eigene ID-APP, die man neben der normalen APP installieren muss. Mit dieser scannt man zunächst einen in der online-Anmeldung erzeugten QR-Code und soll den maschinenlesbaren Code des Personalausweises mit der Smartphone Kamera scannen. Erst dann wird der NFC Chip ausgelesen. Das hat bei mir nicht funktioniert. Diese drei Zeilen auf dem Personalausweis wurden nie erfolgreich auslesen.

Die Idee ist gut, aber an der Anmeldung scheitert es
Eine andere Möglichkeit wäre das Abfotografieren des Personalausweises und ein Abgleich mit einem Selfie - auch das hat nicht funktioniert, weil ich nicht herausgefunden habe, wie ich die Rückseite meines Ausweises mit der APP als zusätzliches Bild einfügen kann. Und das auch etwas grenzwertig, denn einfach nur abfotografierte Personalausweise können für irgendwelche dubiosen Identitätsprüfungen missbraucht werden. Ich würde solche Fotos nur mit einem selbsteingefügten Wasserzeichen irgendwohin senden.
Lange Rede, kurzer Sinn - der komplexe Vorgang ist abschreckend und er funktioniert schlicht nicht. Aber dieses Netzwerk steckt noch in den Kinderschuhen. Wer dasselbe Prinzip erleben möchte, kann Mastodon nutzen - die gleich Oberfläche, aber ohne Identitätsprüfung. Genau diese ist aber Kernstück von wsocial.eu. Und da es keine einheitliche App wie unsere Personalausweis-App gibt, ist das nicht so einfach umzusetzen. Natürlich gibt es die Möglichkeit, die Verifizierung postalisch vorzunehmen oder manuell einzureichen, aber das sind zu viele Barrieren für eine Nutzung in der Breite. Mit einem einfachen Login können die Inhalte der anderen MitgliederInnen angeschaut werden - eigene Beiträge können ohne Identitätsprüfung nicht gepostet werden. Diese Identitätsprüfung ist also elementar für diesen Dienst, funktioniert aber (noch) nicht wirklich.
Vorteile: Die Etablierung eines solchen Microblogging Systems mit verifizierten Personen und Institutionen für Europa ist sehr wünschenswert. Ich würde mich dort verstärkt engagieren.
Nachteile: Meiner Meinung nach technisch völlig unbrauchbar derzeit, wegen der umständlichen oder sogar unmöglichen Anmeldeprozedur. Aufgrund der frühen Beta-Phase noch so gut wie kein relevanter Inhalt.
wsocial.eu
Wero
Wero ist ein Bezahlsystem, dass wie Paypal oder Google Pay funktionieren soll. Wer derzeit mit seinem Smartphone zahlen möchte kommt um GooglePay nicht herum - die Apps der gängigen Banken haben oft das Problem, dass sie zu träge sind. Ich muss z.B. beim Bezahlen mit meiner elektronischen Giro-Card immer noch eine Pin oder einen biometrischen Check auslösen, um die App überhaupt zu starten. Das ist unpraktisch an der Kasse, bei der man dann neben den Pin Bestätigung des Bezahlens auch am Beginn der Zahlvorgangs nich eine Bestätigung hat. Am einfachsten wäre also ein Bezahlvorgang mit einfachem Dranhalten des Smartphones an das Kassenterminal und dann eine Bestätigung mit Fingerabdruck.
Wero liefert genau das. Auf der Homepage von Wero kann man nach seiner Bank suchen, ob diese bereits mit Wero kooperiert. Und das sind mittlerweile sehr viele Banken. Da hat sich in wenigen Monaten sehr viel getan. Selbst meine Bank (Ethikbank Eisenberg) hat Wero im Programm.
Das Problem ist im Moment, dass Wero bei vielen Instanzen, wie Supermärkte oder Online-Plattformen, noch nicht sehr verbreitet ist. Angeblich soll das aber sehr zeitnah passieren. Und es macht nicht viel Sinn, wenn Wero nur der Google Wallet funktioniert. Das wäre in Bezug auf den Ansatz von den USA unabhängig zu werden, ziemlich widersprüchlich.
Vorteile: Wero ist von den hier vorgestellten Applikationen diejenige, die jetzt schon brauchbar wäre - es fehlt noch an der Verbreitung.
Nachteile: Wer auf Wero setzt muss - wenn verfügbar - alle seine bisherigen Zahlungsmodalitäten umändern und Wero als bevorzugte Zahlungsmethode hinterlegen. Das bedeutet einen Aufwand, den man aus Bequemlichkeit vielleicht vermeiden möchte.
Wero Wallet
Collabora Office
Diese Office Suite soll langfristig Microsoft Office ersetzen. Collabora Office basiert auf dem Code von Libre Office und läuft vollständig im Browser. Eine Desktop App gibt es, aber auch die nutzt den Browser als Container zum Ausführen der Anwendungen. Die Suite besteht auf einer Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation und einer Präsentationssoftware.
Direkt vorweg: Nur in kleineren Projekten und für den sporadischen Einsatz brauchbar. Bei komplexeren Anwendungen viel zu langsam und viel zu wenige Funktionen.
Die Office Suite besteht aus einer Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation und einer Präsentationssoftware.
Die Textverarbeitung ist brauchbar. Briefe, Lebensläufe und Dokumentationen mit Echtzeit Zusammenarbeit, lassen sich problemlos erstellen. Ich bin hierbei nicht in die Tiefe gegangen, aber auch Formular-Elemente, Inhaltsverzeichnisse, besondere Font-Elemente - das alles lässt sich problemlos einfügen.

Textverarbeitung mit Collabora Office
Die Präsentationssoftware habe ich mir auch nur oberflächlich angeschaut. Es scheint auch hier alles vorhanden zu sein, ansprechende Folien zu erstellen.
Die Tabellenkalkulation wird sicher auch in einem kleinen Rahmen funktionieren. Die bekannten Befehle aus Excel wie z.B. SVERWEIS etc. sind alle vorhanden und funktionieren genauso, wie bei der großen Referenz namens EXCEL. Hier ist aber die Schwachstelle des Office Paketes. Wenn es um blitzschnelle Analyse von mehreren hunderttausend Zeilen, das Einbinden von externen Daten oder Funktionen ähnlich wie sie in Power-Pivot bzw. Power-BI zu finden sind, versagt Collabora Software. Aber, das nur nebenbei bemerkt, so etwas niedliches wie "Numbers" auf einem MAC, kann diese Funktionen ebenfalls nicht bieten.

Tabellenkalkulation mit Collabora Office - ein sehr abgespecktes Excel
Unternehmen, die also große Datenbestände mit einer Tabellenkalkulation bearbeiten müssen, können noch lange nicht auf Collabora Office switchen. Und für so einen Wechsel wäre natürlich auch die Kompatibilität mit vorhandenen Dateien wichtig. In der Textverarbeitung werden komplexere Layouts nicht exakt so angezeigt, wie in Word. Und alles, was mit Makros in VBA an Funktionalität ergänzt wurde, gibt es in Collabora Office nicht. Es gibt nämlich überhaupt keine Möglichkeit, die Funktionalität individuell zu erweitern. Das liegt nicht daran, dass man das nicht machen könnte. Den Google Workspace gibt es auch nur online im Browser und der lässt sich sehr gut erweitern.
Vorteile: Für den Hausgebrauch ausreichend, interessanter Ansatz, der ausbaufähig ist.
Nachteile: Für einen professionellen Switch von Microsoft Office zu langsam und unzureichend in der Funktionalität