Berlin 2026 - Abreise, Fazit

06. September 2026


Gleis 8, A-E im Berliner Hauptbahnhof

Das waren anstrengende Tage. Ich habe all das gemacht, was ich mir vorgenommen habe. Highlights waren die Besuche der "Anton Corbijn Ausstellung" und der "Neuen Nationalgalerie". Und auch mal das Grab meines Opas gesehen zu haben, war ein besonderer Moment.

So eine Reise ist teuer. Das Hotel, weil es so zentral lag, war teuer. Aber auch die kleinen Einkäufe zwischendurch - ein paar belegte Brötchen hier, ein kleiner Snack zwischendurch, Eintritt hier, ein kleines Souvenir dort. Das summiert sich. Wenn man im Zug eine kleine Flasche Mineralwasser kauft, ist man mal eben 3,50 EUR los. Und ein ALDI ist nicht in direkter Nähe.

Das Hotel war sehr gut. Das Bett groß und bequem, das Bad klein, aber fein und die Aussicht aus dem 8. Stock mit all dem Lärm und dem Treiben unten auf der Straße, faszinierend.


Ein letzter Blick aus dem Hotelzimmer, früh morgens

Beeindruckt war ich - ich hatte das schon erwähnt - von der guten Struktur des Nahverkehrs. Ich habe mich problemlos zurechtgefunden. Auch mit dem Wetter hatte ich Glück. Freitagabend hat es gewittert und geregnet, aber da war ich mit meiner täglichen Erkundung an dem Tag eh schon durch. Es war nicht zu warm und recht windig in den drei Tagen.

Die Bahnfahrten, sowohl Hin- als auch Rückfahrt, waren völlig problemlos. Gestern wurde im Bahn Navigator noch angekündigt, dass man wegen den Bauarbeiten an einer Brücke in Wuppertal mit bis zum 30 Minuten Verspätung rechnen solle, aber das ist nicht eingetreten. 10 Minuten Verspätung bei Ankunft in Köln, eine durchweg positive Fahrt - so macht Bahnfahren Spaß. Auch der kurzfristige Gleiswechsel in Berlin bei der Einfahrt des Zuges, wurde zeitnah als Push-Nachricht auf das Smartphone übertragen. Mein Eindruck ist, dass es wirklich besser wird. Ich hoffe ja, dass in einigen Jahren mit fortschreitender Sanierung, das Bahnfahren immer so ist.

Natürlich hätte ich mir in Berlin noch vieles mehr anschauen können. Ich war nicht an der Siegssäule, nicht bei den vielen Monumenten aus der Geschichte der Stadt. Ich war nicht im Deutschen Museum, nicht im Futurium, nicht im Pergamon usw. usw. - da hätte es noch so viel mehr gegeben. Aber das kann ich mir dann für die Zukunft aufsparen. Ich denke, dass war nicht mein letzter Besuch dort. Und für die Zeit eines in absehbarer Zeit eintretenden Ruhestandes bleibt für solche Reisen dann auch mehr Zeit und Energie.

Blick auf das Bundeskanzleramt

Blick auf das Bundeskanzleramt

Berlin Hauptbahnhof

Berlin Hauptbahnhof

Berlin Hauptbahnhof

Berlin Hauptbahnhof

Berlin Hauptbahnhof

Berlin Hauptbahnhof

Definition einer Metropole

In meinen vorherigen Einträgen habe ich erklärt, dass es Dinge gibt, die nach meinem Empfinden eine Metropole von einer einfachen Großstadt unterscheidet. Franz Kafka, der sein Leben lang von Berlin fasziniert war, gelang es erst in den letzten Monaten seines Lebens, diesen Traum zu verwirklichen. Das habe ich zum Anlass genommen, eine Geschichte in der Sammlung "Kafkaeske Momente" zu ergänzen, die ich "Definition einer Metropole" genannt habe und die ich zum großen Teil heute auf der Zugfahrt geschrieben habe. Die interessante Passage möchte ich hier mal ergänzen - ein unerwartet interessanter, zusätzlicher Output meiner Berlin Reise:

Auszug aus "Definition einer Metropole" aus den Erzählungen "Kafkaeske Momente":
Nur Metropolen haben eine Chaussee oder einen Boulevard. Nur in Metropolen gibt es das, was neben dem normalen Gehen, Laufen, Hetzen, Spazieren als tiefergehendes Synonym für die Fortbewegung zu gelten vermag: das Flanieren.
(...)
In Metropolen können aufgrund ihrer Erschlagenheit von Größe und täglich wiederkehrender funktionaler Dynamik, einfache Regeln nicht mehr so gelten. Nur in Metropolen hören sie unentwegt hupende Autos, das Martinshorn, irgendwo ein sich aus der Masse erhebender Mensch, der laut ist, vielleicht schreit, was in Großstädten statistisch gesehen unwahrscheinlicher ist und gleichwohl dort singulär auffallen würde. Es gibt mehr Clochards in Metropolen, denn es gibt mehr Orte, mehr Ecken, ein größeres soziales Gefälle, in dem sie gedeihen. Es gibt die einfachen dynamischen Regeln nicht, ein rechts vor links verkommt zu einer Option. Es sind andere Gerüche, die in einer Metropole dominieren. Metropolen riechen immer gleich, der Schmutz auf dem Asphalt sondert den gleichen Duft ab, denn überall auf der Welt scheint die gleiche Sonne, die gleiche Wärme, die längst getrockenen Schweiß, Essensreste, Düfte, Gerüche des Vergehens, zum einem einheitlichen, wohl austariertem Dunst kondensiert. Die tiefsten Ecken der Metropole New York riechen genauso, wie die tiefsten Ecken von Berlin. Wenn Sie mal die Gelegenheit haben sollten, dann flanieren sie dort mal in den Boulevards (in New York sind es die Avenues) auf und ab, ohne konkretes Ziel außer dem Einverleben des Ambientes. Sie werden genau zu diesem Schluss kommen. Kondensierter einheitlicher Duft, überall gleich unter Gottes gleicher Sonne. (...)

Dieser Text wird Teil der gesammelten Erzählungen in "Kafkaeske Momente" werden. Dieser Band mit Erzählungen wird noch dieses Jahr erscheinen.

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